Turbinengetriebene
Vorbilder haben die Modellflieger seit jeher begeistert.
Leider mussten selbst die schönsten Jet-Nachbauten früher immer
mit
Propellerantrieben bestückt werden, was sowohl optisch als auch
vom
Fluggeräusch her sehr wenig vorbildgetreu war. Das schönste
Jet-Modell
sah mit einem Propeller in der Nase doch etwas befremdlich
aus.
Aber die Modellbautechnik gab lange Zeit nicht mehr her.
Im Laufe der Zeit entwickelten die
erfinderischen Modellbauer dann
Impellerantriebe - im Rumpf oder in den Triebwerksattrappen
versteckte,
meist durch Verbrennungsmotoren mit hoher Drehzahl angetriebene,
ummantelte Luftschrauben. Dadurch war zumindest schon einmal der
optisch störende Propeller am Jet- oder Airlinernachbau
verschwunden.
Die ganz Harten bestückten ihre
Modelle mit ohrenbetäubenden Pulso-
triebwerken, die solange mit Vollgas röhrten und das Modell durch
den
Himmel peitschten, bis der Sprit alle war und das Modell im
Segelflug
gelandet werden musste. Das fand dann nicht immer auf der
Landebahn
statt. Das Antriebsgeräusch war aber auch in diesen Varianten
weit von
den Vorbildern entfernt.
Heutzutage gibt es Gott sei Dank
"echte" Strahltriebwerke im Miniatur-
format, die in ihrer Funktion prinzipiell den großen Triebwerken
gleichen.
Ja, sie werden sogar mit Kerosin betrieben, spucken manchmal Feuer
und können mit ihrem Fauchen und Grollen schon gehörig
Respekt ein-
flößen.
Diese "Feuerdosen" wurden in den letzten Jahren immer
zuverlässiger
und leistungsfähiger.
Sie starten vollautomatisch auf Knopfdruck an der Fernbedienung,
ihr
Betrieb (Drehzahl, Abgastemperatur, Kraftstoffpumpe etc.) wird von
der ECU (engine control unit) überwacht und läuft
mittlerweile meist
problemloser als der mancher konventioneller Verbrennungsmotoren.
Die Leistungsentfaltung ist enorm.
Ein Triebwerk in der Größe einer
Kaffeedose bringt es bei einer Drehzahl von rund 125.000 Umdre-
hungen pro Minute (!!!) auf einen Schub von teilweise über 160N.
Das bedeutet in etwa: Ein 16kg schweres Modellflugzeug kann damit
nach dem Start einen sportlichen senkrechten Steigflug
absolvieren.
Und das zu aller Freude noch mit dem originalgetreuen Grollen
des Düsenantriebs.
Im Flug sind solche Modelle
teilweise nur schwer von ihrem großen
Vorbild zu unterscheiden. Wen das Turbinen-Virus einmal gepackt
hat,
den lässt es nie mehr los.
Aber auch Elektro-Impeller-Jets
sind in den letzten Jahren immer
leistungsfähiger geworden und evtl. eine Alternative zu
den Turbinen-
modellen, auch wenn es mit dem Antriebsgeräusch dann nicht so
ganz
stimmen mag.
In jedem Fall sind Jets sehr
faszinierend. Es ist nicht nur die Technik,
die begeistert, sondern auch das teilweise nicht ganz
anspruchslose
Flugverhalten, das den Adrenalinspiegel bei den ersten Flügen
immer
ansteigen lässt.
Vielleicht trägt auch gerade das zu dieser eigenartigen
Faszination bei...
Turbinenfliegerei ist keine Hexerei, aber es ist mit
Sicherheit
ein hohes Maß an Sorgfalt, Vorsicht und Erfahrung vonnöten!
Auf unseren beiden Fluggeländen
haben wir die behördliche Zulassung
für den Betrieb mit Turbinenantrieben. Aufgrund des umgebenden Ge-
ländes und der Startbahnlänge und -beschaffenheit trifft man
die Jet-
flieger aber meist eher auf dem Modellflugplatz bei Pinzberg an.
Von Tino v. Enzenberg
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